Smart Cities: weshalb ohne die Bürgerbeteiligung nichts funktioniert

von Leonite Sahiti

Länder wie Estland und Städte wie Hamburg machen es vor: sie nutzen die Verbesserungsvorschläge ihrer Bürger zur gezielten Stadtentwicklung. Weshalb ist das nicht nur fortschrittlich, sondern notwendig? Was hat die Digitalisierung damit zu tun? Und was können wir uns davon abschauen?

Was macht eine City smart?

Die Welt verändert sich, Technologien werden immer fortschrittlicher, sie haben längst Einzug in unseren Alltag erhalten und die Bevölkerung mit ihren Ansprüche wächst. Städte und Gemeinden müssen sich stetig entwickeln, um im Wettbewerb untereinander zu bestehen, denn sie wollen die kreativsten Köpfe von sich überzeugen und eine nachhaltige Wirtschaft am Standort etablieren.  Ein moderner Entwicklungstrend dafür ist die Smart City. Ihr Fokus liegt dabei auf einer Steigerung des Gemeindewohls und darauf, die Stadt durch eine gut durchdachte und ausgebaute Infrastruktur lebenswerter zu gestalten. Sie ist durch ihre Konzepte der Verbesserung in Technologie, Effizienz, Nachhaltigkeit und sozialer Inklusion zukunftsfähig. Die nachhaltigen Entwicklungsziele der UN Agenda bilden dabei den Leitfaden.

Stadtbewohner sind die besten Ideenquellen

Die Bürger stehen dabei als Bewohner und Nutzer der Stadt im Mittelpunkt und sind ein zentrales Element in ihrer Entwicklung. Sie kennen die Stadt am besten, sie haben diverses Know-How und können alltägliche Verbesserungspotentiale benennen. Ihre Partizipation ist nicht optional, sondern ausschlaggebend bei der Entwicklung einer Stadt. Es ist die demokratische Pflicht einer Stadt ihren Bewohnern eine möglichst gute Partizipation zu ermöglichen. Es gilt also die Bürger für ihr Engagement bei der Stadtentwicklung zu motivieren und dabei zu integrieren. Wie aber kann das umgesetzt werden? Worauf muss man achten? Mit welcher Strategie kann man Projekte angehen?

Das Ende von Papierarbeit: digitaler Wandel in der Verwaltung 

Dabei spielt insbesondere das E-Government eine bedeutende Rolle. Beim E-Government wird die Verwaltung einer Stadt digitalisiert und automatisiert, so dass viele Verwaltungsschritte und Anlaufstellen durch Plattformen und Onlineservices zu jeder Zeit verfügbar gemacht werden. Zugänge zu den Leistungen des Staates werden so vereinfacht, Prozesse verkürzt, Termine beim Amt schneller vergeben und überflüssige persönliche Termine aufgehoben. Derartige Lösungen sind vor allem unter besonderen Umständen wie der Corona-Pandemie sehr lohnenswerte Alternativen. Die Stadtentwicklung kann sich also das E-Government als Vermittler  zwischen den Bürgern und der ausführenden Politik zu Nutzen  machen.

Damit die Bürger einen besseren Einblick in die Stadt und ihre Lage bekommen und gezielter auf Probleme eingehen können, kann man Datensätze der Stadtverwaltung öffentlich verfügbar machen und einen freien Informationszugang ermöglichen. Einen solcher Zugang nennt sich „Open Data“ und wird zum Beispiel schon in Nordrhein-Westfalen und Berlin umgesetzt.

Citizen Engagement fördern und fordern

Der erste Schritt hin zur Smart City liegt in der Einbeziehung der Bürger. Am besten motiviert man sie zur Partizipation, indem sie über die Relevanz ihrer Teilnahme am Prozess der Stadtentwicklung aufklärt. Doch allein das reicht nicht aus. Es ist außerdem wichtig ihnen eine Möglichkeit zu geben ihre Vorschläge schnell und einfach an die betroffenen Bereiche der Stadtverwaltung mitzuteilen und sich gut mit Mitbürgern und der Stadt auszutauschen. Ersteres können beispielsweise das E-Government mithilfe einer Plattform oder einem Portal zur Ideensammlung  ermöglichen. Damit diese jedoch auch genutzt wird, muss sie innovativ sein und die Nutzer in wenigen Schritten zur Einreichung ihrer Idee führen. In den Arbeitskreisen der Stadt kann dann auf vorgeschlagenen Projekte eingegangen werden. Darüber hinaus können Bürger von Seiten der Stadt dazu aufgerufen werden Projektideen zu sammeln. Weiterhin bestehen bleibt darüber hinaus ein ganz klassisches Instrument der Beteiligung: die Petition. 

Heutzutage kann man sich ein Beispiel an der Stadt Tallinn nehmen. Die Hauptstadt Estlands hat es geschafft die Digitalisierung zu ihrem Vorteil zu nutzen und die Stadt weitestgehend zu vernetzen mit ständigem Fokus auf ihre Bürger. Viele Dienstleistungen wurden modernisiert und sind online abrufbar. Gewerbeanmeldungen und Unternehmensgründungen können zum Beispiel in wenigen Minuten online vorgenommen werden. So spart die estnische Regierung nach eigenen Angaben über 800 Jahre Arbeitszeit in der Verwaltung. Eine vielseitig einsetzbare Bürgerkarte erleichtert ihnen den Alltag. Auch Wien arbeitet daran eine Smart City zu werden und verfolgt dabei die drei Leitziele der erhöhten Lebensqualität, Ressourcenschonung und Innovation. In Deutschland bleiben Hamburg als smarteste City oder das Ruhrgebiet in Sachen Innovationen und Projekte am Ball.

Städte entwickeln sich also immer rasanter und ihr Wandel ist unaufhaltsam. Denn viele profitieren  von diesen Entwicklungen, wenn eine Stadt die Chance ergreift und nachhaltig und zukunftsorientiert an alle Bereiche rangeht. Im Vordergrund bei der Digitalisierung einer Stadt sollte immer die Bevölkerung und ihre Ideen stehen und ihnen sollte die Mitarbeit am Thema durch Kommunikation und öffentlich abrufbare Informationsmaterial erstrebenswert gemacht werden.

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