Führen auf Distanz: Was Unternehmen aus der Krise lernen können

von Leonite Sahiti

Die Pandemie hat zu einem unausweichlichen Umschwung in der Arbeitswelt geführt. Vielen gab das einen Denkanstoß für ihre Arbeitsweise, sowohl Arbeitnehmern als auch Arbeitgebern. Eine solche Umstellung führt zu neuen Herausforderungen in der Führung virtueller Teams, die es gekonnt zu meistern gilt. Wie geht Virtual Leadership? Und benötigen wir Virtual Leadership auch noch nach der Krise?

Das Homeoffice hat sich in den letzten Monaten zu einem festen Bestandteil unserer Gesellschaft entwickelt. Größere Unternehmen setzen Remote Work anteilig öfter ein als kleine und mittelständische Unternehmen, nun auch insbesondere durch das Recht auf Homeoffice.
Während das mobile Arbeiten einerseits dem Arbeitnehmer mehr Flexibilität und zu einer verbesserten Work-Life-Balance führen kann, führt der fehlende persönliche Kontakt zu einer Beeinträchtigung  bei der Mitarbeiterführung, so wie wir sie bisher kennen. Gründe für die Erschwerung der Führung liegen neben der Technik auch in der Organisation und dem fehlenden Mitarbeiterbezug.

Auch ohne Corona: Die Arbeitswelt ist im Wandel

Die Aussicht auf eine zukünftige Arbeitsstruktur bietet die Arbeitswelt 4.0. Mit der Digitalisierung, dem Internet der Dinge und stetig wachsenden technologischen Möglichkeiten ändert sich auch die Arbeitswelt nachhaltig. Die Wertschätzung von Mitarbeitern wird immer bedeutsamer und die Nachfrage zu örtlich und zeitlich flexibler Arbeit steigt. Mehr Freiraum für die kreative Entfaltung und eine verbesserte Work-Life-Balance können die Produktivität des Einzelnen fördern. Eine Chance, die immer mehr Arbeitgeber wahrnehmen wollen.

Zeitgleich ändern sich die Anforderungen an Führungskräfte. Das Team zusammenhalten, den Teamgeist zu fördern und Unterstützung zu geben fordert immer mehr soziale Intelligenz von Führungskräften. Diese Aspekte lassen sich genauso auf die Umsetzung von Virtual Leadership, dem Führen auf Distanz, übertragen.

Digitale Führung: Diese Grundpfeiler müssen gesetzt werden

Gerade im Homeoffice benötigen Mitarbeiter klare Strukturen und Prozesse, an die sie sich halten. Allen Teammitgliedern muss der eigene Zuständigkeitsbereich klar sein und es muss transparent sein, wer bei Schwierigkeiten kontaktiert werden kann. Weiterhin müssen die teaminternen Kommunikationskanäle festgelegt werden: Welche Tools sollen für die unterschiedlichen Aufgabenfelder genutzt werden und wie können diese einen reibungsloseren Austausch zwischen Mitarbeitern sicherstellen? Wann wird welche App bzw. Software genutzt? Wann ist es mit einer Textnachricht getan, wann sollte ein Video-Meeting angesetzt werden? Diese Fragen sollte sich zunächst jede Führungskraft stellen und seine Entscheidung transparent ins Team geben. Grundsätzlich lässt sich sagen: Jedes Team hat seine eigene Dynamik, das gilt auch für die Wahl der Tools. Was in einem Team nicht funktioniert, kann für das andere wiederum optimal sein. 

Nach der Wahl der Tools muss nun der Fokus bei der anhaltenden Kommunikation liegen. Gegebene Technologien sollten genutzt werden mit dem Ziel die Interaktion beizubehalten. Innerhalb der festgelegten Tools sollten in regelmäßigen Abständen Updates zu den bearbeiteten Aufgaben, aber auch der allgemeinen Stimmung und dem Workload transparent gemacht werden. Hier ist insbesondere die soziale und emotionale Kompetenz der Führungskraft gefragt. Veränderungen in der Nachrichtenfrequenz und abnehmender Kontakt zu einzelnen Angestellten müssen erkannt und angesprochen werden. Ein Tipp: Bei Videokonferenzen im eigenen Team können fünf Minuten für Themen wie Family, Friends und Hobbies eingeplant werden. 

Führungskräfte vernetzen virtuell: Digital Leadership in der Praxis

Um der räumlichen Entfernung entgegenzuwirken und ein produktives Umfeld zu gestalten muss virtuell Nähe geschaffen werden. Eine Grundvoraussetzung ist eine bestehende Vertrauensbasis und die Pflege der Beziehung zu den Mitarbeitern. Die moderne Führungskraft sollte immer Wege finden wie er seinen Mitarbeitern dieses Vertrauen geben kann, ob durch die Weitergabe wichtiger Informationen, den Raum für Rückfragen oder das Zeigen von Aufmerksamkeit gegenüber Verbesserungsvorschlägen. Eine weitere Möglichkeit Nähe und Vertrauen zu verstärken bietet die Übernahme von Büro-Ritualen ins Digitale. Insgesamt ist die Kommunikation auf Augenhöhe ratsam, um sich nicht in hierarchischen Strukturen zu verlieren. Hierzu zählen auch Empathie und Feingefühl im Gespräch mit den Mitarbeitern. 

Um fehlende Motivation zu beseitigen ist es die Pflicht der Führungskräfte Ziele, Strategien und Erwartungen des Unternehmens offenzulegen und gemeinsam mit den Angestellten Zielvorstellungen zu setzen um so das Mindset weiterzugeben. Lob bei positiven und wertvollen Beiträgen führt zu mehr Engagement und weniger Ideenverlust. Eine auflockernde Möglichkeit Identifikation mit dem Team zu schaffen ist zum Beispiel das Teilen von Fotos und Videos vom Arbeitsplatz mit kurzen Updates.

Insgesamt nimmt die Führungskraft von Morgen also eher die Rolle eines Moderators oder Coaches ein als die eines Leiters, was das Zwischenmenschliche trotz räumlichen Abstand immer wichtiger macht. Obwohl für die meisten die Arbeit von zu Hause kein ewig andauernder Zustand bleiben mag, kann Digital Leadership nachhaltig zu verbesserten Arbeitsprozessen und zu mehr Produktivität verhelfen. 

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